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April 2010

Für Papa



Mein Papa ist tot!
Immer hatte ich solche Angst vor diesem Moment, wo er nicht mehr bei mir sein wird - und jetzt ist es so weit. In den letzten Jahren war er schon sehr oft im Krankenhaus wegen dem Herzen, aber ich habe immer erst nachher davon erfahren, wenn es ihm schon wieder besser ging. Manchmal hatte ich so viel Angst und hab mich so hineingesteigert, dass ich nicht mehr schlafen konnte.
Im Jahr 2008 ist es ihm schon einmal so schlecht gegangen, dass die Ärzte meinten, er kommt nicht mehr nach Hause. Genau am diesem Wochenende hatten wir im DORF die 30-Jahr-Feier, und ich hätte meine Eltern so gerne dabei gehabt. Ihnen hab ich es ja zu verdanken, dass ich hier so glücklich leben kann. Auch wenn die Entscheidungen meiner Eltern für mich als Kind nicht immer nachvollziehbar waren - im Nachhinein gesehen waren es immer die richtigen! Ohne Sie wäre ich heute nichts! Sie haben mich immer ernst genommen, mir zugehört und wenn es möglich war auch meine Träume erfüllt.
Das größte Geschenk war meine eigene Wohnung! Obwohl der Papa anfangs gar nicht begeistert war von der Idee... denn der Kellerraum, den ich beziehen durfte, sah 1991 gar nicht wie eine Wohnung aus. Aber ich blieb hartnäckig, denn ich wollte so gern Selbstversorger sein, dass sie irgendwann doch okay gesagt haben. Beim Umbau und beim Einrichten hat mir Papa am meisten geholfen. Und letztendlich waren beide Eltern sehr stolz auf mich, weil ich mein Leben wieder selbst in der Hand hatte. Es war ja nicht immer so! Als Jugendlicher war ich ja nicht gerade ein Engel, hab alles gemacht, was Gott verboten hat (Drogen, Alkohol usw.) und meinen Eltern viele Sorgen und schlaflose Nächte bereitet (worauf ich heute nicht gerade stolz bin)! Aber auch in den schwierigen Zeiten haben sie immer zu mir gehalten.
Am allermeisten draufgezahlt hat damals meine Schwester Wetti (Barbara). Immer wenn der Hut gebrannt hat, waren sie und ihr Mann Gerhard sofort da und haben Feuerwehr gespielt. Und eine Zeitlang hat es oft "gebrannt"... (weil wieder irgendwelche Alkohol- oder Drogenexzesse bei mir stattgefunden haben). Wetti ist noch heute sehr, sehr wichtig für mich!


Aber zurück zu Papa:
Er hatte nicht nur Herzprobleme, sondern auch Nierenkrebs, und zum Jahresende 2009 ist es ihm wirklich ganz schlecht gegangen! Genau in dieser Zeit verliebte ich mich in meine jetzige Freundin Maria. Das war ein sehr unbeschreibliches Gefühl: Einerseits war ich so glücklich, wie schon lange nicht mehr, und gleichzeitig todtraurig wegen meinem Papa. Und dann begann die Berg- und Talfahrt: Papa ging es immer schlechter und schlechter, und mir auch... Fast jeden zweiten Tag fuhr ich zum Papa ins Krankenhaus. Aber ich konnte und wollte ihm meine Angst nicht zeigen, weil ich meinte, das würde bei ihm alles noch verschlimmern.
Eines Tages begleitete mich Manuela, eine sehr gute Freundin, zu ihm - und bei der Fahrt nach Kirchdorf sagte sie im Auto zu mir, ich solle doch einfach offen mit ihm reden und mich mal bei ihm für alles bedanken. Zuerst sagte ich, das geht doch nicht - wenn ich das tue, dann merkt er doch, dass ich nicht mehr dran glaube, dass er wieder gesund wird. Aber als ich dann mit Mama an seinem Bett gestanden bin, hab ich mir einen Ruck gegeben und mich bei meinen Eltern für alles bedankt und ihnen gesagt, dass ich ohne sie nichts wäre und nichts könnte! Es war ein herzzerreißender Moment. Alle drei haben wir geweint.
Und dann traute ich mich und erzählte dem Papa auch von meiner Angst davor, wenn er nicht mehr da ist! Er meinte nur: "Adi, alle Menschen müssen sterben - auch ich!" Aber im Herzen würde er schon kämpfen - nicht weil er selber Angst vor dem Tod hätte, sondern wegen Mama und seinen Kindern... und wegen mir. Ich war ja immer sein "Sorgenkind". Er wollte mich nicht alleine lassen, weil er merkte, wie sehr ich in brauche. Aber auf der anderen Seite weiß er schon längst, dass ich schon "ein großer Bub" bin und mein Leben auf meine Weise hinbekomme.
Zu Weihnachten 2009 hat er auch noch meinen Schatz Maria kennengelernt und sich einfach nur darüber gefreut, dass ich letztendlich doch eine Freundin gefunden hatte und keinen Freund. (Aber wie ich ihn kenne, hätte er auch damit kein Problem gehabt. Er hat mir nie was dreingeredet im mein Leben.) Ich sagte ihm auch noch, er solle doch bitte noch ein paar Wochen durchhalten, damit er mein erstes Buch noch mitbekommt. Das war ja schon fast fertig, und ich wollte es ihm noch so gerne zeigen. Aber Papa war wie immer ein ungeduldiger Mensch und hat es nicht mehr erwarten können...


Am 8. Jänner 2010 um 8 Uhr morgens klingelte das Telefon, und meine Mama war dran. Ich war gerade bei Maria in der Wohnung und wusste gleich, als ich ihre Stimme hörte, was los war! Mir ist echt die Farbe aus dem Gesicht gefallen. Aber ich habe nicht geweint! Weil so was kenne ich nicht.
Und dann das Begräbnis. Auf dem schwersten Weg meines Lebens hat mich eine meiner besten Freundinnen begleitet: Meine liebste Sarah arbeitet in dem Haus, in dem ich wohne, und kann mit dem Tod recht gut umgehen. Sie hat einen starken Glauben und war auch zuvor schon ein paarmal mit mir beim Papa im Krankenhaus (Papa mochte sie sehr). Die Hinreise war gar nicht so schlimm - aber da wusste ich noch nicht, was auf mich zukommt... So etwas hab ich in meinem ganzen Leben noch nie erlebt:
Es war eine Verabschiedung, denn Papa ist verbrannt geworden. Als wir hingekommen sind, war sein Körper in der Leichenhalle aufgebahrt. Ich hab ihn mir noch einmal angeschaut, und das war, als würde mir jemand das Herz aus dem Körper reißen. Auf einmal fing ich so sehr zu weinen an, dass ich rauslaufen musste, sonst wäre ich verrückt geworden. Sarah ist mit rausgegangen und hat mich im Arm gehalten - aber es hat alles nichts geholfen, ich weinte und weinte. Das hörte auch nicht auf, als mich mein Schwager Gerhard gehalten und getröstet hat. Die anderen Leute haben schon alle geschaut, aber das war mir in dem Momant sowas von scheißegal... Und als sie Papa mit dem Auto weggebracht haben, dachte ich: "Warum kann nicht ich da drin liegen?"
Als dann alle zum "Leichenschmaus" (was für ein Wort!) gingen, sagte ich zu Sarah: "Das halt ich nicht aus! Fahren wir heim..." Aber der Anstand sagte mir: Adi, das kannst du nicht tun, schon allein wegen der Mama. Also ging ich mit. Aber ich hab den ganzen Weg zum Gasthaus nur geheult. Hab mich einfach nicht erholt. Im Gasthaus standen auf allen Tischen Fotos von Papa, natürlich haben die Leute von Papa geredet... und schon wurde es mir wieder zu viel und ich heulte wieder los! Ich hatte mich einfach überhaupt nicht mehr in der Hand. Normal was das für mich überhaupt nicht. Weil so einen Kontrollverlust gibt es bei mir nie. Und das Schlimmste war, dass ich selber so fertig war, dass ich mich gar nicht um die Mama kümmern konnte. Ich musste nur schauen, dass ich diesen Tag irgendwie durchstehe - den Tag, vor dem ich mich mein Leben lang gefürchtet hab.
Mittlerweile sind schon 3 Monate vergangen, aber es tut noch immer sehr weh. Die Wohnung meiner Eltern (in der ich und meine sechs Geschwister aufgewachsen sind) wurde aufgelöst, und Mama ist zu meiner Schwester Mitzi gezogen. Besonders Ostern war heuer schlimm! Mein Schatz Maria war daheim bei ihren Eltern, aber ich bin zum ersten Mal zu Ostern nicht heimgefahren. Nicht, dass ich bei Mitzi nicht willkommen wäre - aber dort bin ich eben nicht "zu Hause". Ich besuche Mama zwar monatlich bei meiner Schwester, aber das "Heimat-Gefühl" ist weg. Außerdem wollte ich meine Schwester nicht mit meiner Trauer belasten, weil sie selber doch noch nicht darüber hinweg ist.
Zum ersten Mal bekam ich heuer auch kein "G'weichtes" - das ist ein alter Osterbrauch: 47 Jahre lang hat der Papa jedem von uns zu Ostern ein geweihtes Lebensmittel (Brot, Salz, Schinken usw.) überreicht, das wir dann gemeinsam verspeist haben. Auch das Osterlamm aus Kuchenteig hab ich mir heuer erstmals selber gekauft und beim Essen an den Papa gedacht... Und ich fürchte mich schon ziemlich davor, wenn Weihnachten vor der Tür steht. Das erste Weihnachtsfest ohne ihn werde ich natürlich bei der Familie verbringen, allein schon wegen der Mama. Mama darf nicht drunter leiden, und auch sie ist in meinem Leben sehr wichtig. Aber es wird sehr weh tun, weil unsere Familie schon wieder kleiner geworden ist - erst meine beiden Brüder, und jetzt ist der Papa auch nicht mehr dabei.


Dass der Verlust eines einzigen Menschen so viel im Leben verändern kann, hätte ich nie gedacht! Im Nachhinein frage ich mich, ob ich nicht mehr Zeit mit meinen Eltern verbringen hätte sollen!? Aber ich hatte ja mein eigenes Leben zu leben. Und ich war so damit beschäftigt, mich innerlich abzunabeln. Ganz geschafft habe ich's zwar eh nicht, ich war immer ein "Papa-Bua" - aber es war gut so. Ich kann wirklich sagen, dass ich die besten Eltern hatte, die sich ein Kind nur wünschen kann.
Als Papa gestorben ist, dachte ich kurz, es geht nicht mehr weiter. Wollte sogar meinen großen Traum - mein erstes eigenes Buch - einfach wegwerfen! Aber es gab kein Zurück mehr, weil doch alles schon kurz vor dem Druck war und so viele gute Menschen mir geholfen hatten, dass der Traum in Erfüllung geht. Plötzlich hatte ich ganz neue Freunde, die für mich da waren. Und Papa und Mama sind jetzt sehr stolz auf mich - Papa irgendwo... und Mama hier bei mir.
Dass mein Schatz Maria in mein Leben gekommen ist, das war mein größtes Glück. Obwohl ich gar nicht recht gläubig bin, frage ich mich, ob da nicht doch einer "da oben sitzt", der über uns wacht und sie mir genau in dem Moment geschickt hat, wo ich wirklich jemanden brauchte. In der Zeit, als Papa gestorben ist, war aber auch sie einfach hilflos. Aber da konnte mir sowieso keiner helfen - da musste ich alleine durch. Und es war auch gut, dass Maria an diesem schwarzen Tag in meinem Leben - beim Begräbnis von Papa - nicht dabei war!
Was mir am meisten abgeht, ist das Telefonieren mit Papa! Jeden zweiten Tag hat er mich angerufen... heute höre ich nur mehr Mamas Stimme am Telefon. Der Gedanke, dass es nie wieder so werden wird, wie es war, tut mir ordentlich weh. Aber man muss einfach selber schauen, wie's im Leben voran und weitergehen kann. Wenn ich nicht so ein lebensfroher Mensch wäre, müsste ich echt auszucken... Aber der Tod gehört nun mal zu unserem Leben. Und dass ich alleine mal übrig bleibe, das ist gottseidank nicht möglich!
Ich will mein kurzes Leben nicht verschlafen und so gut es geht LEBEN!
Ich will aus meinem Dasein das Beste herausholen.
Jeder Tag ist kostbar!
Papa, du fehlst mir!!!
Adi






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