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4. September 2010

LEBEN, LIEBEN, LOSLASSEN


oder "Tod am Rosenbett"

Vor einigen Jahren gab es bei uns im Dorf ein außergewöhnliches Paar: Ein Freund von mir (auch Spastiker) hatte sich in ein junges Mädchen verliebt, eine Linzerin, die bei uns ein freiwilliges soziales Jahr gemacht hat. Die beiden haben sich gesehen und sofort gut verstanden. Weil es damals noch ganz unüblich war, dass ein Bewohner und eine sogenannte „Gesunde“ eine Liebesbeziehung haben, war die Aufregung im DORF anfangs groß. Sogar aus den „höheren Ebenen“ hörte man Töne wie „So etwas darf es bei uns nicht geben! Beziehungen zwischen zwei Bewohnern sind ja okay... Aber so was!!!...“
Grund für die Aufregung waren einerseits Eifersucht und Neid – besonders bei den anderen BewohnerInnen. Andererseits gab es auch organisatorische Bedenken, denn die beiden wollten gern zusammenleben, und für Beziehungen zwischen Behinderten und sogenannten „normalen“ Menschen ist unser DORF bis heute nicht wirklich eingerichtet. Man ist zwar schon für vieles offen und versucht, möglichst auf die Wünsche der Bewohner einzugehen – aber das Land O.Ö. zahlt eben wirklich viel Kohle für uns und möchte natürlich den Platz für behinderte Menschen frei halten. Trotzdem fände ich es gut, wenn man auch solche Beziehungen unterstützen würde, weil dann unser Zusammenleben im DORF viel natürlicher wäre.
Sicherlich kann ich auch die Befürchtungen verstehen: Was passiert, wenn die Beziehung nicht hält? Kann man zu einem behinderten Menschen einfach so sagen „Das war’s“? Kann er das annehmen oder bricht er dann zusammen?… So viele Menschen haben Angst davor, mit uns Behinderten genauso umzugehen, wie mit anderen. Daran sind wir aber auch selber schuld. Weil wir nicht gelernt haben, loszulassen.

Bei unserem Liebespaar jedenfalls war die Liebe sooo groß, dass sie alle Schwierigkeiten auf sich genommen haben. Sie passten wirklich gut zusammen, in ihren Interessen, Hobbys und in vielem mehr. Sie hatten auch eine sehr „lebendige“ Beziehung… Oft haben sie so gestritten, dass wir dachten, jetzt fällt gleich die Wohnung auseinander. Sie hatten sich im wahrsten Sinne des Wortes zusammengerauft. Leicht hatten sie es nicht, denn seine Eltern waren lange Zeit gegen diese Liebe – was ihnen allerdings scheißegal war. „Das ist unser Leben, und nicht eures!“ sagten sie immer wieder – Recht hatten die beiden!
Viele Jahre konnte die junge Frau also fast nur an den Wochenenden zu uns ins DORF kommen. Es war sehr schwierig, in Linz eine behindertengerechte Wohnung zu finden - aber eines Tages war es dann so weit: Er erzählte uns, dass er jetzt mit seiner Liebsten in Linz zusammenziehen kann. Der Typ hat sich gefreut wie ein Kind zu Weihnachten. Ich mag ihn wirklich gern und hab ich mich sehr mit ihm gefreut. Hab ihm sein Glück sehr gewünscht, und dass ihre Liebe nie vergeht.
Kurz darauf erzählt er mir, dass sie heiraten wollen! Da hab ich echt blöd geschaut. Jetzt war das Glück also wirklich rund. Oder fast rund - weil sie war von Geburt herzkrank und hatte schon einige OPs über sich ergehen lassen müssen. Die letzte Operation war sehr gefährlich, und die beiden haben sehr viel darüber geredet, was wäre wenn… Sie haben immer damit gelebt, dass es einmal nicht so gut ausgehen könnte. Aber mit 29 Jahren rechnet man nicht wirklich mit dem Tod… und dennoch: Im März 2010 musste sie frühzeitig gehen! Sie überlebte den letzten Eingriff am Herzen nicht. Ihr Tod war für ihn der Weltuntergang! So viele Jahre haben sie ihre Liebe, ihren Blumengarten mühsam aufgebaut – und plötzlich, über Nacht, verliert die schönste Rose alle Blütenblätter und letztendlich ihr Leben… von so einem Schock erholt man sich halt nur ganz langsam.

Ich kenne nur ganz wenige Menschen, die so besinnungslos lieben können. Eigentlich fallen mir jetzt nur zwei Paare ein: Meine Eltern, die fast 60 Jahre verheiratet waren. Und dann noch Steffi und Alois, das erste Ehepaar, das es bei uns im DORF gegeben hat.…
Ich selber bin jetzt 47 Jahre alt und noch immer auf der Suche nach der wahren Liebe. Hatte sie zwar wirklich schon oft erlebt – mit Frauen und Männern – sie wurde aber immer glücklos beendet.
Seit einem Jahr hab ich wieder eine Freundin! Obwohl ich eigentlich immer einen Freund wollte. Aber wie gesagt, es ist dir einfach jemand vorbestimmt im Leben. Auch wenn du dich mit Händen und Füßen dagegen wehrst – Bestimmung ist Bestimmung. Mein Traum war ja immer, endlich einen männlichen Liebes- und Lebenspartner zu finden. Aber Maria, meine Freundin, sagte einfach zu mir, sie wisse ja wie ich bin und dass ich einfach einen Mann möchte. „Aber schau Adi“, sagte sie, „was spricht dagegen wenn wir zusammen sind, wenn jeder von uns sowieso alleine ist. Es ist mir egal, wenn du bi, transgender oder schwul bist - ich lieb dich einfach, wie du bist.“… Das war der Punkt, wo mir klar geworden ist, dass noch nie jemand sowas zu mir gesagt hatte. Dass mich jemand einfach so lieben kann, wie ich bin – ohne Wenn und Aber. Natürlich haben viele Freunde von mir etwas blöd geschaut, weil ich plötzlich wieder eine Frau an meiner Seite hatte. Aber ich muss ja nicht so leben, wie es die anderen erwarten oder möchten. Das Wichtigste ist doch, dass wir beide damit klarkommen. Und mein Leben habe ich immer so gelebt wie ich es richtig finde. Man muss immer auf sein Herz hören. Dann lebt man wirklich! Was habe ich denn davon, wenn ich einem Traum nachlaufe, der nie in Erfüllung gehen kann. Das tun sowieso zu viele Menschen auf dieser Welt. Da muss ich nicht auch noch mitlaufen. Ein Glück, das einem in den Schoß fällt, soll man leben, solange man kann. Es kann so schnell vorbei sein.

Was mir total Angst macht ist, dass so viele junge Menschen einfach seelisch krank sind und leiden. In dieser Woche sind zwei junge Leute mit 19 und 23 Jahren in den Tod gegangen! Der eine hat sich umgebracht, weil seine Freundin verunglückt ist, das hat er nicht verkraftet. Den anderen hab ich sehr gut gekannt, auch seine Mutter. Der Junge hatte alle Liebe und Zuneigung bekommen, die ein Mensch braucht – und trotzdem ist er mit seinem Leben nicht klargekommen. Da denke ich mir schon bei mir selber, dass ein sogenannter „gesunder“ Körper eben nicht alles ist - da hat einer einen gesunden Körper, ist glücklich und hübsch, und dahinter steckt ganz viel Einsamkeit und Traurigkeit…
Und wahrscheinlich können so junge Menschen die Bedeutung vom „Tod“ gar nicht erhaschen! Dass der „Schlaf danach“ für immer ist, und nicht nur für ein paar Tage... Sie tun es aus einer momentanen Verzweiflung und denken nicht an die Folgen. Ich kenn das ja aus meiner eigenen Erfahrung – aus meiner Zeit mit den Drogen und dem Alkohol. Wenn du jung bist und einfach etwas anders als die anderen, wenn du nicht in das Hamsterrad hineinpasst, in dem die Mehrheit drinsteckt, dann bist du ein armer Hund. Dann bist du gleich ein Außenseiter. Und wenn man da nicht gute Freunde oder einen Halt hat, dann kommen so viele nicht mehr zurecht. Gute Freunde, die wirklich hinter dir stehen und zu dir halten, sind einfach das Allerwichtigste!

Die größte Krankheit auf dieser Welt ist derzeit, dass die meisten nur für sich selber leben und sich um andere einen Scheißdreck kümmern! So viele Menschen schreien und regen sich auf über die heutigen Kinder oder Jugendlichen, weil sie angeblich so arg und unerzogen sind. Aber wenn man überlegt, dann wissen wir schon warum: Wer ist denn wirklich noch für die jungen Menschen da? Wer interessiert sich wirklich für sie? Nicht mehr viele. Da geht’s schon an die seelische Erkrankung.
Mir tut echt das Herz echt weh, wenn ich daran denke, dass jemand der Kinder misshandelt weniger bestraft wird als einer, der mp3 herunterladet. Wo ist da eine Gerechtigkeit? Wenn es um die Kohle und die Wirtschaft geht, muss gleich „geschützt“ werden – aber wenn es um unsere Kinder geht...

Aber die Erde bleibt doch nicht stehen. Sie dreht sich immer weiter und man weiß oft nicht, wie und wann sich etwas ändern wird. Selbst die größte Wüste, die kahl und leer ist, kann irgendwann die schönsten Blumen und andere Sachen hervorbringen. Man darf einfach den Glauben an sich selber nie verlieren! Wir sollten einfach auf unser Herz hören und mehr für einander da sein – dann wird es uns sicherlich viel besser gehen auf der schönen Welt. Weil so verloren ist sie wirklich noch nicht, wie alle tun. Aber wir müssen behutsamer mit dem Leben auf dieser Welt umgehen.

Und auch der Tod ist für die Welt ganz wichtig - weil er immer wieder Platz macht für etwas Neues! Vielleicht denkt ihr jetzt „So ein Spinner, was redet denn der daher!“ Aber ich weiß, wovon ich rede! Sehr viele Jahre hab ich mit dem Scheiß-Tod überhaupt nicht umgehen können. Wie mein Papa gestorben ist, hat es mir zwar das Herz herausgenrissen – dann aber habe ich begriffen: Es muss weiter gehen, das Leben! Und gerade in dieser Zeit, wo es mir so schlecht gegangen ist, ist mein Schatz Maria in mein Leben getreten. So viele Jahre vorher war ich allein, und genau dann…
Alles hat einen Grund - aber es braucht oft ganz schön lang, bis man den erkennen kann. Die Hoffnung sollte man jedenfalls nie aufgeben - selbst wenn der Himmel rabenschwarz ist, der blaue Himmel und die Sonne sind immer gleich dahinter!

Lebt euer Leben immer so, als wäre es euer letzter Tag!!!

ADI-Ida



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