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März 2011

Die große Reise nach Klagenfurt


Die Uni Klagenfurt hat mich zu einer Veranstaltung zum Thema „Behinderung und Sexualität“ eingeladen, um dort am 17. März mein Tagebuch vorzustellen. Sascha, ein Klagenfurter Student (der auch leicht körperbehindert ist und bei der ÖH für den Bereich „Behinderung“ zuständig ist) hatte über den Linzer Verein Senia von mir und meinem Buchprojekt erfahren und sich gleich gemeldet. Mein Verlag „edition Wege“ hat alles für mich vorbereitet, organisiert und geplant! Hab mich echt gefreut darüber.
Die Fahrt wurde mir von der Uni bezahlt. Ich brauchte also nur eine/n ChaufferIn – und auch meine Freundin Maria (& Begleitung) wollte ich mitnehmen. Aber als der große Tag da war, ist mein Schatz mit Grippe im Bett gelegen. Und dann erfuhr ich, dass ich ganz alleine nach Klagenfurt fahren sollte… Da ist mir im ersten Moment die ganze Freude vergangen! Erstens wegen der langen Fahrt – so ganz alleine – und zweitens wusste ich nicht, was ich tun soll, wenn mich die Leute dort nicht verstehen. Also telefonierte ich noch mal mit Karin, ob sie mich nicht doch, obwohl sie frei hatte, begleiten möchte. Zum Glück sagte sie Ja. War ich erleichtert!

Am nächsten Tag ging’s los. Abfahrt im DORF um 9 Uhr – so gegen 12 Uhr 30 waren wir am Ziel angekommen und gingen sofort essen. Ich war ja schon fast am Verhungern. Im Wirtshaus erlebte ich eine witzige Situation:
Als wir mit dem Essen fertig waren, kam der Wirt, um den Teller abzuservieren, und sagte ganz freundlich zu Karin „Brav hat er aufgegessen“…! Karin sah mich an – ich schaute Karin an – und beide dachten wir „Was war denn das jetzt?“... Mir ist nichts Besseres eingefallen, als dem Wirt zu antworten: „Isst du auch immer so brav auf, wie ich?“ Ich redete ihn bewusst auch mit Du an, so wie er mich. Der hat mich angesprochen, wie ein kleines Kind! Obwohl ich das Gefühl hatte, dass er es sicherlich nicht so gemeint hat. Offenbar war der nette Wirt ziemlich überfordert mit meiner Behinderung – vielleicht hat er so einen wie mich auch noch nie gesehen…? Bei solchen Begegnungen bin ich nicht so empfindlich oder gar beleidigt, denn ich spüre, dass die Menschen oft überfordert damit sind, wie ich aussehe und spreche. Sie werden dann ganz unbeholfen, behandeln mich wie ein Kind und meinen es sicherlich nicht böse.

Um 15 Uhr haben wir uns dann mit Sascha vor der Uni getroffen. Weil die Vorbesprechungenund Planungen ja alle über meinen Verlag gelaufen sind, kannte ich ihn gar nicht und wusste auch nicht das Kleinste über ihn. Bin halt auf gut Glück hin. Da bin ich wirklich ziemlich unkompliziert – ich denk mir einfach: „Wenn’s gut geht, ist es super - geht’s daneben, dann lern ich was draus!“… Aber bis jetzt war noch immer alles okay und ist nie etwas schief gelaufen.
Als wir in die Uni reingegangen sind, ist mir im ersten Moment der Mund offen geblieben – sooo viele Schüler auf einen Haufen hatte ich vorher noch nie gesehen! Dann besprachen Sascha und ich, wie die Veranstaltung ungefähr ablaufen würde. Um 17 Uhr wurde es dann ernst für mich. Hatte zwar etwas Herzklopfen, aber das gehört ja zu dem Job dazu. Ich wusste ja nicht mal, wieviele Menschen im Saal sein werden, oder ob überhaupt jemand zu der Veranstaltung kommt.

Letztendlich waren es doch um die 70 Leute, alle Altersgruppen, Junge und Alte. Anfangs war ich mit der Stimme noch etwas unsicher – aber dann ist mein Motor gut angesprungen, und ich redete mit ihnen, als würden wir uns schon ewig kennen. Wie immer forderte ich die Leute auch gleich am Anfang dazu auf, wirklich alles zu fragen, was sie interessiert. Weil nur dann erfahren sie wirklich was über mein Leben. Das Thema war ja „Behinderung und Sexualität“ – und über dieses Thema kann ich so gut und offen reden, wie andere übers Kochen, denn die Sexualität gehört einfach zu uns Menschen, wie das Essen. Sicherlich, am Anfang waren die BesucherInnen noch ein wenig zurückhaltend – aber das ist ja verständlich und normal. Im Großen und Ganzen ist der Abend echt super gelaufen, und zwar für beide Seiten.

Nach der Veranstaltung kamen Leute zu mir und sagten, sie hätten die Offenheit bei dem „heiklen“ Thema noch nie so erlebt, wie in diesen zwei Stunden mit mir. Das hat mich ehrlich gefreut. Bei so einem Feedback weiß ich, dass es die Mühe und die weite Anreise echt wert war.
Am Schluss sprach mich noch eine Dame von einer Kärntner Zeitung an, ob ich ihr denn ein kurzes Interview geben möchte. Na klar, sagte ich zu ihr, und sie fragte mich einige Dinge über mein Leben. Das Gespräch mit ihr war echt cool, wir haben gut und offen miteinander geredet.
Um 20 Uhr machten wir uns wieder auf den Heimweg. Maria hatte schon auf mich gewartet. Ich bin so um Mitternacht zu Hause angekommen und war echt fertig und kaputt… aber auch sehr glücklich und zufrieden mit diesem Tag und dem Erfolg.


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