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März 2013

Schlechte Zeiten brechen an!


Sozialsystem am Tiefpunkt?

Heuer sind es 33 Jahre, dass ich hier in der assista lebe! In diesen Jahren hab ich wirklich alles erlebt, gute und auch nicht so gute Zeiten – aber ich muss echt sagen, dass wir jetzt fast am Tiefpunkt angelangt sind. Besonders, was die Mitarbeiter in den Wohnhäusern betrifft: Der Betreuungsaufwand der DORF-Bewohner ist seit den 80er-Jahren um 100 Prozent gestiegen, da es hier fast nur mehr „schwere“ Fälle gibt – aber die Anzahl des Personals wird nicht aufgestockt. Im Gegenteil – es wird noch mehr gespart. Meine Frau und ich sind schon oft zur Geschäftsleitung gegangen und haben gefragt, ob man da gar nichts machen kann. Aber immer heißt es nein, weil die Entscheidung „von ganz oben“ (also vom Land Oberösterreich) kommt.

Ich finde, die Leute, die über unser Leben bestimmen, sollten wirklich mal ein paar Monate auf Hilfe angewiesen sein. Mit „Hilfe“ meine ich wirklich alles, bis zum Sch... (möchte nicht das Wort sagen)! Ein paar Bewohner und auch ich möchten schon lange einmal zum Soziallandesrat Ackerl gehen und mit ihm selber über unsere Situation reden. Aber bei dem Mann einen Termin zu bekommen, das ist der Wahnsinn, unmöglich! Immer wird groß dahergeredet, dass wir Behinderten ein Mitspracherecht haben. Aber ich sag euch, einen Scheißdreck haben wir mitzureden! Das ist alles nur Augenauswischerei. Die haben das schon in der Hand, dass wir nicht zu viel zu Wort kommen.

Der letzte Höhepunkt war, dass wir Bewohner jetzt nicht mal wie bisher in Urlaub fahren können, weil die mitgenommenen Betreuer in dieser Zeit nicht mehr bezahlt werden. Dabei müssen wir denen sowieso die Mitfahrt und die Unterkunft aus eigener Tasche bezahlen – es geht also nur um die reine Betreuungsleistung! Jetzt hat man einen eigenen Verein gegründet, der ausschließlich Urlaubsbegleitungen macht. Sicher, die Idee ist ganz gut – aber meine Frau und ich zum Beispiel sind gar nicht froh darüber. Wir möchten uns doch selber die Person aussuchen können, die wir dann 8 Tage um uns haben, möchten sie auch mögen und uns gut verstehen…! Ein weiteres Angebot war, dass sich mehrere Bewohner zusammentun und in Urlaub fahren – dann könnte ein bezahlter Betreuer mitfahren. Aber auch das kommt für mich nicht in Frage. Wir Bewohner leben ja eh tagtäglich im DORF zusammen, da möchte ich schon auch mal alleine wegfahren mit meinem Schatzi.

Am meisten stört mich aber, dass wir einfach zu wenig Betreuungspersonal haben – und das ist sehr belastet! Der Betreuungsbedarf der Bewohner wird immer „schlechter“, also aufwändiger, und manchmal kommt es vor, dass jemand eine halbe Stunde warten muss, bis wer kommt und hilft. Allein schon beim Essen: da gibt es 4 Bewohner, denen die Mahlzeiten eingegeben werden müssen – aber es stehen nur 2 Mitarbeiter zur Verfügung, und die können sich ja nicht teilen…! Man braucht sich nicht zu wundern, wenn die Betreuer so oft schon nach kurzer Zeit wieder kündigen, weil sie einfach ausgebrannt sind. Mit Bewohnern reden und etwas Zeit für die behinderten Menschen haben, das ist schon lange nicht mehr drin. Die Betreuer brauchen ja die ganze Arbeitszeit dafür, um allein den körperlichen Aufwand abzudecken. Das ist echt traurig.

Offenbar sind ganz andere Sachen wichtig: Neuerdings tragen einige Mitarbeiter eine „medizinische Dienstkleidung“! Für uns Bewohner erzeugt das einfach Krankenhaus-Stimmung. Sicher stimmt es, dass sie sich sonst die Keime mit nach Hause nähmen – aber anderseits sind die Bewohner ja im ganzen Dorf unterwegs, da müssten alle 300 Mitarbeiter Dienstkleidung tragen. Obwohl man sagen muss - es sind ganz wenige, die Dienstkleidung tragen. Noch!

Das Schlimme ist, dass die zuständigen Landes-Behörden über die Mängel Bescheid wissen und trotzdem nichts tun. Verstehe ich überhaupt nicht. Das Geld wird oft nur mehr dort eingesetzt, wo auch was herausschaut. Aber für alte oder behinderte Menschen, bei denen keine Verbesserung mehr zu erwarten ist, da wird gespart wo es geht.

Als ich jung war, ist es im DORF echt noch darum gegangen, wie man den Bewohnern helfen kann, ihre Träume und Wünsche zu verwirklichen. Bin heute noch dankbar für die viele Unterstützung damals. Heutzutage ist sehr vieles nicht mehr möglich! Und was mir auffällt: Nicht mal die Dorfleitung kann wirklich was für uns tun, weil alles vom Land Oberösterreich ausgeht – und die geben kein Geld mehr her, egal welche Pflegestufe jemand hat. Von Zeit zu Zeit kommt zwar jemand und kontrolliert die Pflegestufen, dann werden manche Bewohner auch höher eingestuft – aber das war es schon. Mehr Mitarbeiter und Helfer bekommen wir deshalb auch nicht. Im Gegenteil, es werden immer weniger.

Und das ist erst der Anfang! Wo wird das noch hinführen? Und wie soll es weiter gehen?


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