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Juli 2016

An Dich





Es ist das Jahr 2016 und es ist sehr viel geschehen in den 6 Jahren, seit du nicht mehr bei uns auf der Welt bist.Voriges Jahr sind 1000 Flüchtlinge herein gekommen nach Österreich und Deutschland. Das hat alles auf den Kopf gestellt bei den Menschen! Sicher es war und ist nicht leicht für alle. Hab auch nicht gerade ein gutes Gefühl dabei. Denn die Menschen müssen auch von etwas leben. Und man weiß nie, wer da kommt. Die Mehrheit ist sicher arm, aber es gibt sicherlich Schläfer dabei. Das heißt, bei denen man nicht genau weiß, was für ein Ziel sie haben. Das mussten schon Menschen grausam erleben, so wie z.B. in Paris auf dem Konzert. Das finde ich einfach unmenschlich. Oder die vielen Schlepper, die mit Not und Armut Geld machen. Und die Politik bekommt es nicht auf die Reihe und greift nicht ein.


Ich finde im Moment ist unsere Politik einfach ein Aberwitz, weil bei den Menschen, die wirklich auf das Geld angewiesen sind, wie alte und behinderte, nur noch gekürzt wird, bis es nicht mehr geht. Ich lebe 36 Jahre lang in einer Einrichtung, in der 130 behinderte Menschen auf jede Kleinigkeit angewiesen sind. Hier ist oft nicht die Zeit da, um jemanden rechtzeitig aufs WC zu sitzen und er im wahrsten Sinne des Wortes dann in der „Scheiße“ sitzt. Was mir echt am Keks geht, sind die ständigen Kürzungen aus heiterem Himmel! Uns sagen sie überhaupt nichts, es wird einfach bestimmt und so ist es. Wenn man nachfragt, heißt es immer, euch geht’s eh so gut im Gegensatz zu anderen! Das stimmt ja auch, uns geht es wirklich gut, aber wenn man sich alles gefallen lässt, ist man nicht mehr sein eigener Herr. Wir haben im Dorf eine Interessensvertretung von Bewohnern, die uns eigentlich vertreten soll.


Aber wenn wir ehrlich sind, ist die für die Katze, weil sie keinen Einfluss auf die wirklichen Entscheidungen hat, die Dorfbewohner betreffen. Seit es das Chancengleichheitsgesetz gibt, ist es nach meiner Meinung nur blöder und schlechter geworden. Ich finde die Menschen in einer Einrichtung werden finanziell kürzer gehalten. Hier in meinem Dorf geht es uns in dieser Hinsicht einigermaßen gut, aber ich kenne andere Einrichtungen, wo sie fast nichts bekommen im Monat. Das finde ich nicht richtig, denn wir haben auch Wünsche, Träume und Hobbies. Alles kostet Geld. Ich finde, Geld wäre schon da für alte, kranke, behinderte Menschen, aber es wird nicht richtig verteilt. Ich hoffe es wird nicht noch enger für uns.




Bei uns sind sie echt bemüht, so gut es geht, das Beste zu machen. Aber wenn das Land OÖ kein Geld hergibt, können die bei uns auch nichts tun. Aber für sehr viele Sachen, die wirklich nicht wichtig sind, wie Waffen und Krieg, da spielt die Kohle keine Rolle. Irgendwie macht sich der Mensch zu seinem eigenen Sklaven und denkt nur an sich selber. Und der Mensch hat den Glauben an sich selber ziemlich verloren. Geschweige an Gott! Sicher, man muss irgendwie zum Glauben finden!


Ich habe Jahrzehnte auch nicht an Gott geglaubt, bis Pater Anton Gots wieder zu uns gekommen ist. Er war der Gründer dieser Einrichtung, er hat mir den Glauben so näher gebracht, dass ich es verstanden habe. Und mit der Zeit habe ich für und in der Kirche einiges gemacht. Er war nur noch 5 Jahre bei uns, aber in dieser Zeit ist er für mich sehr wichtig geworden, er war wie ein Papa zu mir. Ich habe so ziemlich über alles mit ihm geredet. Was mir gut getan hat bei ihm war, dass er mir nichts aufgezwungen hat. Bevor ich meine Frau kennen lernte, war ich etwas anders drauf! Das heißt, ich war am rechten Ufer daheim. Wollte nichts lieber als einen Mann. Das war kein Geheimnis und ich lebte es auch aus.


Anton wusste es, aber er hat mich trotzdem so genommen, wie ich war. Das finde ich wirklich christlich, solche Pfarrer bräuchten wir mehr. Aber zurück zu meiner Frau, die ich auf Umwegen kennen und lieben lernte. Anton sagte, ob wir nicht mal heiraten möchten. Natürlich hatten wir zwei schon öfter darüber geredet, aber ich sagte eher nein. Denn trotz allem war das nicht so leicht. Ihre Eltern haben sich am Anfang etwas schwer getan mit mir, weil ich doch noch sehr weiblich angezogen war. Es war die Zeit halt noch nicht reif dazu. Aber nach zwei Jahren, in denen wir zusammen waren, hat mir der Gedanke bezüglich heiraten immer mehr gefallen. Und ich sagte auf einmal zu Maria: „Warum nicht“, und der Anton war sofort dafür. Aber als er sagte, ob wir nicht beichten wollen, sagte ich: „Was soll ich da sagen?“ Dann sagte er: „Wir unterhalten uns einfach, das passt schon“. Das war von ihm echt cool. Ich mochte ihn so sehr, und als er von uns gegangen ist, glaubte ich, eine Welt bricht zusammen. Ich habe mir vorgenommen, so gut es geht, für arme und benachteiligte Menschen da zu sein, denn das war sein Leben lang sein Motto.



Bei uns haben wie vier Paare! Obwohl 130 Menschen mit Behinderung hier leben, ist das sehr wenig. Ich frage mich oft, warum das so ist? Ich rede mit den Leuten darüber, mir wird gesagt, dass viele einfach einen sogenannten „nicht behinderten“ Partner möchten, denn behindert sind sie selber. Ok, so dachte ich mit 20, aber heute ist es mir ziemlich egal, ob mein Frau alles kann oder nichts. Zum Beispiel: meine Maria kann im Grunde genommen nicht recht viel, aber sie gibt mir die ganze Liebe und Zuneigung, die ich mein Leben lang gesucht habe. In meinen jungen Jahren hatte ich einige Freundinnen und Freunde, mit denen ich in jeder Beziehung sehr viel Spaß gehabt habe, aber glücklich war ich nie. Es hat mir immer was gefehlt. Mein Traum war immer, jemanden zu finden, der mich so nimmt, wie ich bin. Ich war einfach traurig, immer allein durch die Welt zu laufen und nicht zu wissen, wo ich hingehöre. Da hat der Sex, den ich in die vielen Jahren hatte, auch nichts gebracht.


Oft habe ich mir einfach mein Hirn vollgedröhnt - damit die Traurigkeit weg war - mir war egal ob Alkohol oder Drogen, Hauptsache das Gefühl war nicht mehr da. Das heutige Leben ist komplett anders! Mit Maria kann ich das Leben, von dem ich geträumt habe, leben. Noch immer hört man heute oft, dass behinderte Menschen keinen Sex brauchen! Das ist Blödsinn, bei uns stimmt in dem Bereich wirklich alles. Sicher, so unbeschwert wie es bei so genannten nicht behinderten Menschen geht, ist es nicht. Aber es gibt Wege und Mittel, wodurch man ganz gut zurechtkommt. Sicher, mir ist schon bewusst, dass ich keine 20 mehr bin. Da und dort kenne ich das schon. Das einzige, was mich oft etwas verzagen lässt, ist, wenn mein Ding nicht mehr so tut, wie ich das möchte. Weil meine Frau ist doch 10 Jahre jünger als ich, und möchte doch noch Sex haben. Was ich auch verstehe! Auch ich will, aber irgendwie haut es nicht so hin, wie ich es möchte. Sicher spielt der körperliche Zustand bei ihr auch eine Rolle. Sie sagt immer wieder, dass ihr das kein Problem ist und dass es andere Dinge auch noch gibt. Aber für mich ist das schon irgendwie nicht so leicht. Mein Kopf ist oft so voll und schwer mit anderen Dingen, dass nichts geht. Maria ist wirklich eine gute Frau, aber oft fühle ich mich bei ihr wertlos, weil ich in punkto Schulwissen nicht so viel gelernt habe wie sie, und das spüre ich bei ihr immer wieder. Wenn sie mich das spüren lässt, bin ich ziemlich traurig.


Es spielt so viel mit, was Sexualität anbelangt, das glaubt man echt nicht. Aber ohne sie könnte ich mir das Leben nicht mehr vorstellen! Oft denke ich mir, dass ich zu sehr von ihr abhängig bin. Das ist aber für mich nicht gut. Eine Beziehung ist eine ewige Baustelle, wo man nie fertig wird, weil es immer was zu flicken gibt. Aber ich bin ein Typ, der sich einmal für etwas entschieden hat, und es wird immer geschaut, dass die Baustelle gemeinsam geflickt wird. Wir schauen so gut es geht, dass wir zwei gemeinsam die Entscheidungen treffen. Da muss ich immer an meine Eltern denken! Die haben fast 60 Jahre, so gut es ging, gemeinsam entschieden. Mein Papa ist schon vor 6 Jahren gestorben und Mama lebt bei meiner Schwester Mitzi. Aber der Tod von Papa liegt mir heute noch im Magen. Den habe ich noch immer nicht verarbeitet. Mit dem Tod bin ich schon Jahrzehnte auf Kriegsfuß. Er ist unberechenbar und heimtückisch. Ich habe seit 1980 bis 2016 mindestens 300 Dorfbewohner sterben gesehen. Waren ganz gute Freunde dabei und Menschen, die ich geliebt habe. Wenn er noch keine 20 Jahre alt war, oder eine Mutter mit 45 Jahre gehen muss, weil die Krankheit das Leben nicht mehr zulässt, er oder sie am Schluss nicht mehr sieht, hört und nicht mehr reden kann, da fragt man sich wieder einmal, wo ist oder bleibt Gott. Aber man sagt, dass die Zeit alle Wunden heilt, aber das ist nicht immer richtig. Denn es gibt Tode in meinem Leben, mit denen werde ich nie fertig.


Oft liege ich im Bett, kann einfach nicht schlafen, weil meine Gedanken bei meiner Frau sind... was wär wenn... das macht mich oft einfach kaputt. Oder oft denke ich mir, dass es am Schluss nur noch mich gibt. Das ich ganz schön beängstigend! Weil immer zusehen, wie Freunde nach der Reihe weg sterben ist nicht so leicht. In dem Stockwerk, wo ich mit meiner Frau lebe, sind wir 12 Menschen. Die Hälfte von Ihnen trägt den Tod schon lange Zeit mit sich herum. Das Schlimme ist, dass jeder einzelne das weiß, muss aber Jahre lang damit leben! Damit kann ich oft schlechter umgehen, als der Betroffene selber, denn ich kann für sie gar nichts tun. Meine Frau und ich sind Spastiker, diese Behinderung ist echt ok, weil sie nicht schlechter wird. Wir haben ein langes Leben vor uns, wenn kein Krebs dazwischen kommt. Eine Freundin, auch von meinem Stockwerk, liegt mir schon sehr am Herzen, weil sie erst 33 Jahre ist und MS hat. Sie hat auch Träume und Wünsche und weiß genau, dass ihre Träume nicht in Erfüllung gehen werden. Da wären wir wieder bei den Themen: Liebe, Zuneigung und Sexualität.


Vor Jahren waren wir bei diesem Thema Vorreiter für andere Einrichtungen. In dieser Zeit waren wir eine Vorzeigeeinrichtung für alle anderen! Aber was ist geblieben? Damals in den 90ern hat sich wirklich viel getan, sodass wir Bewohner dies und das erreichen konnten. Heute fehlt für alles das Geld. Es ist so weit, dass man zum Teil mit Mitarbeitern nicht mehr als ein paar Wörter reden darf, weil sie sind nicht da zum Reden, sondern zum Arbeiten. So was hätte ich vor 5 Jahren noch nicht gesagt. Aber es zählt auch bei uns nur mehr die Leistung. Und das finde ich echt traurig. Da kannst auch nichts machen! Der Mensch zählt heute nicht mehr viel. Ich denke mir oft, wenn einer stirbt, ist es ganz gut für das Land, das für uns die Einrichtung bezahlt, weil das wieder eine Einsparung ist, wieder ein behinderter Mensch weniger! Es kommen pro Tag sicher 20 Menschen mit einer Behinderung nach. Eins ist sicher, wir sterben nie aus. Darum müssen sich die so genannten Gescheiten aus der Politik auf jeden Fall überlegen, wie es mit alten, behinderten Menschen weiter gehen soll. Weil die, die heute das Sagen haben, werden eines Tages auch mal alt und gebrechlich, und dann heißt es auch „Pech gehabt, es gibt keine Kohle mehr“! Wie werden sie dann denken? Aber wahrscheinlich haben die so viel Geld gespart, dass sie im Alter irgendwo mit einer privaten Betreuung gut leben können. Wie es den anderen geht…



Wir sollten wieder versuchen, miteinander zu leben und nicht gegeneinander!
Es gibt nur eine Welt und wir dürfen sie nicht mit Gewalt zerstören, weil diejenigen, die nach uns kommen, möchten auch noch was haben von dieser Welt. Hört auf euer Herz und gebt euch (UNS) eine Chance miteinander und nicht gegen einander zu leben.

Das Leben kann so kurz sein!




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